Klimaszenarien
Die Tabelle zeigt die GLOBALE mittlere Oberflächenerwärmung im Zeitraum 2081–2100 gegenüber 1850–1900 nach IPCC AR6. Gemeint ist die gesamte Erwärmung gegenüber diesem vorindustriellen Bezugszeitraum, nicht eine zusätzliche Erwärmung ab 2026 und keine örtliche Temperatur in Mitteleuropa. Die Bandbreiten gelten jeweils unter der betreffenden Emissionsannahme. Den drei beispielhaften Pfaden wird keine Eintrittswahrscheinlichkeit zugeordnet; sie erfassen nicht sämtliche möglichen Entwicklungen.
| Emissionspfad | Mittelungszeitraum | Beste Schätzung | Sehr wahrscheinliche Bandbreite |
|---|---|---|---|
| Niedrige Emissionen · SSP1-2.6 | 2081–2100 | +1,8 °C | +1,3 bis +2,4 °C |
| Mittlere Emissionen · SSP2-4.5 | 2081–2100 | +2,7 °C | +2,1 bis +3,5 °C |
| Sehr hohe Emissionen · SSP5-8.5 | 2081–2100 | +4,4 °C | +3,3 bis +5,7 °C |
Ab 2026: die nächsten 25 Jahre
Dieser Planungshorizont ist für Gebäude, Stadtgrün, Wasserversorgung und Entwässerung relevant. Natürliche Schwankungen bringen weiterhin kalte Winter sowie nasse oder trockene Sommer hervor. Betrachte mehrere Modelle und längere Zeiträume gemeinsam. Ein einzelnes simuliertes Jahr bestimmt nicht, welche Bedingungen eine Gemeinde, ein Betrieb oder ein Haushalt tatsächlich erleben wird.
2041–2060: mehrere mögliche Entwicklungen vergleichen
Zur Mitte des Jahrhunderts werden Unterschiede zwischen Emissionspfaden zunehmend wichtig. Für örtliche Entscheidungen ergänzen regionale Klimadienste den globalen Überblick um Jahreszeit, Höhenlage und Küste. Dieser feste wissenschaftliche Zeitraum überschneidet sich teilweise mit dem näheren Planungshorizont. Er ist keine zweite Wetterprognose und kein Kalender bereits feststehender Extremereignisse.
2081–2100: die Szenarien richtig lesen
Die Zahlen beschreiben globale Mittelwerte über zwanzig Jahre, jeweils mit bester Schätzung und sehr wahrscheinlicher Bandbreite. Sie sind weder sommerliche Höchsttemperaturen noch identische Veränderungen für alle Städte. Geringere Emissionen begrenzen die langfristige Erwärmung. Der sehr hohe Pfad zeigt eine deutlich wärmere Möglichkeit, ohne sie als unvermeidliches Ergebnis darzustellen.
2101–2126: längerer Horizont ohne erfundene Zahlen
Die Temperaturtabelle endet 2100. Ihre Werte werden nicht geradlinig bis 2126 verlängert. Manche Veränderungen dauern länger an: Der globale mittlere Meeresspiegel steigt weiter, während Ozeane und Landeis über Jahrhunderte reagieren. An einer konkreten Küste beeinflussen auch regionale Meeresbedingungen und Landbewegungen den relativen Wasserstand. Für 2126 wird hier kein Zahlenwert behauptet.
Was bedeutet das für Mitteleuropa, Alpen und Küsten?
Für Deutschland und die angrenzenden Tiefländer sind zunehmende Hitzebelastung und Veränderungen des Wasserhaushalts wichtige Themen. Längere trockene Phasen können mit intensiven Regenfällen zusammen auftreten. Das bedeutet nicht überall dieselbe Änderung der Jahresmenge. Boden, Versiegelung, Entwässerung und Nutzung bestimmen mit, wie stark Menschen, Landwirtschaft oder Gebäude betroffen sind.
Im Alpenraum verändern Erwärmung und schneeärmere Winter die jahreszeitliche Wasserspeicherung. Besonders niedrige und mittlere Höhenlagen reagieren empfindlich; Gletscher und dauerhaft gefrorener Untergrund stellen zusätzliche Hochgebirgsthemen dar. Die Schweizer Szenarien CH2025 zeigen unter anderem mehr Hitze, trockenere Sommer und heftigere Niederschläge. Einzelne schneereiche Winter bleiben möglich; daraus folgt keine sichere Aussage über einen bestimmten Skitag.
Für die Niederlande zeigen KNMI’23-Szenarien steigende Temperaturen und Meeresspiegel, trockenere Sommer sowie nassere Winter. Auch an deutschen und belgischen Küsten benötigen lokale Planungen passende regionale Meeresspiegel- und Schutzinformationen. Für einen konkreten Ort sollten Szenario, Bezugszeitraum und Mittelungsperiode immer geprüft werden. Zahlen aus unterschiedlichen nationalen Studien sind nicht automatisch direkt miteinander oder mit der globalen Tabelle vergleichbar.
Fragen zum Wetterkalender
Kann man das Wetter 100 Jahre im Voraus vorhersagen?
Nein. Klimaprojektionen beschreiben veränderte Mittelwerte, Schwankungen und Extreme unter ausdrücklich genannten Annahmen. Temperatur und Regen eines einzelnen Tages in hundert Jahren lassen sich damit nicht bestimmen.
Ist das mittlere Szenario am wahrscheinlichsten?
Nicht deshalb, weil es in der mittleren Tabellenzeile steht. Die Pfade hängen von künftigen Emissionen und gesellschaftlichen Entscheidungen ab. Ihre Bandbreiten beschreiben die klimatische Unsicherheit innerhalb eines Pfades, nicht dessen gesellschaftliche Eintrittswahrscheinlichkeit.